„Geld verdirbt den Charakter“ – oder ist das nur ein Mythos?
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Was macht eine Beziehung stark? Wann fühlst du Nähe und Verbundenheit mit deinem Partner? Umgangssprachlich würden wir sagen, “wenn wir auf einer Wellenlänge sind” oder “wenn wir uns auf Augenhöhe begegnen”.
Aber was bedeutet Beziehung auf Augenhöhe konkret? Was braucht es, um dieses schöne Gefühl von Augenhöhe und Verbundenheit zu haben? Das schauen wir uns gleich genauer an.
Augenhöhe bezieht sich auf alle Bereiche eurer Partnerschaft. Wie ihr euren Alltag regelt, die Hausarbeit aufteilt, die Kinder erzieht und eure Freizeit verbringt. Ich gehe hier speziell auf das Thema Finanzen ein.
Ich behaupte, dass Finanzen auf Augenhöhe zu einer Beziehung auf Augenhöhe gehören.
Wenn du das Gefühl hast, dass du beim Thema Geld nicht auf Augenhöhe mit deinem Partner oder deiner Partnerin bist, dann ist dieser Artikel für dich.
In einer Beziehung auf Augenhöhe sind beide Partner gleichberechtigt und begegnen sich mit Respekt und Empathie. Es geht darum, ein echtes Team zu sein, ohne dass einer den anderen dominiert.
Das bedeutet:

Beim Thema Finanzen gibt es häufig ein Ungleichgewicht in der Beziehung.
Vielleicht bist du in einer tollen Beziehung. Ihr seid eng verbunden und habt euch ein tolles Leben aufgebaut. Sobald es aber um Geld geht, wird es schwierig.
Gründe für ein Ungleichgewicht gibt es viele: Einer verdient mehr, einer hat geerbt, Kinder oder Scheidung von einem früheren Partner, Jobverlust oder Schulden.
Vielleicht bleibt einer oder eine wegen den Kindern daheim oder unterstützt den Partner, weil er stark eingespannt ist. Auch hier kann ein starkes Ungleichgewicht entstehen.
Häufig tauchen Probleme in anderen Bereichen der Beziehung beim Thema Geld in verschärfter Form wieder auf. Fehlende Kompromissbereitschaft oder ungünstige Kommunikationsmuster sind zwei gängige Beispiele.
Wenn eine Beziehung auf Augenhöhe nicht gelingt, klappt es mit Finanzen auf Augenhöhe meist auch nicht.
Häufig verdient ein Partner mehr als der andere. Folglich könnte der Mehrverdiener auch fordern, dass seine Meinung bei einer Entscheidung ein höheres Gewicht hat.
Hört sich für dich zunächst logisch an? Dann stell dir vor, du verdienst wesentlich weniger als dein Partner. Er oder sie könnte dich somit bei jeder Entscheidung überstimmen – zumindest theoretisch. Auch bei Entscheidungen, die dir echt wichtig sind.
Wie würde sich das für dich anfühlen?
Bei welchen Entscheidungen möchtest du definitiv ein Wörtchen mitreden? Was würde es mit dir machen, wenn dein Partner seinen Joker als Mehrverdiener zieht? Sorry Schatz, mein Geld, meine Entscheidung.
Anderes Szenario: Häufig ist ein Partner sparsamer und ängstlicher im Umgang mit Geld. Dieser Partner will für schlechte Zeiten vorsorgen und braucht finanzielle Rücklagen, damit er sich sicher fühlt.
Oft hat der ängstlich Partner dann mehr Macht oder seine Argumente haben mehr Gewicht bei Entscheidungen. Er oder sie ist die Stimme der Vernunft und kann sich auf das eigene Sicherheitsbedürfnis berufen.
Ein Ungleichgewicht führt häufig nachhaltig zu Verletzungen. Ein Partner fühlt sich möglicherweise unterlegen oder minderwertig. Es entsteht Groll und Ablehnung sowie Gefühle der Abhängigkeit.
Eine Beziehung auf Augenhöhe kann also nur funktionieren, wenn beide Partner gleichberechtigt finanzielle Entscheidungen treffen.

Quelle Eric Hegmann (eigene Zusammenfassung)
Selbstverständlich teilt man sich die Arbeit in einer Beziehung auf. Einer hat einen grünen Daumen und kümmert sich liebevoll um den Garten. Dafür kocht der andere Partner gern und zaubert ein tolles Abendessen auf den Tisch.
Beim Thema Finanzen hört man dann, “ich hab’s mit Zahlen nicht so” oder “mein Mann oder meine Frau ist in Mathe besser” oder “ist nicht so mein Thema”.
Finanzen auf Augenhöhe setzt aber voraus, dass beide Partner aktiv involviert sind. Keiner hat die alleinige Kontrolle. Keiner klink sich aus und “delegiert” das Thema.
Beide tragen das Risiko, auch wenn sich eine Entscheidung als Fehler herausstellt.
Beide profitieren, wenn eine Entscheidung richtig gut war.
Folglich müssen sich beide mit Finanzen beschäftigen. Beide müssen Wissen aufbauen, um gute Entscheidungen treffen zu können. Bei Konflikten müssen sich beide um eine Lösung oder einen Kompromiss bemühen.
Wichtig ist auch, dass beide nicht nur die Verantwortung für die gemeinsamen Finanzen mittragen, sondern auch Verantwortung für ihre eigenen Finanzen übernehmen.
Wie sieht meine Altersvorsorge aus? Was passiert im Fall einer Trennung? Wieviel Abhängigkeit von meinem Partner möchte ich zulassen?
Alle relevanten Informationen, die eure gemeinsame finanzielle Situation betreffen, sollten offen geteilt werden.
Ohne einen transparenten, offenen und ehrlichen Umgang mit der finanziellen Situation kann kein Vertrauen entstehen.
Die Frage ist nun, was ist relevant und was nicht?
Das Wichtigste zuerst: Transparenz bedeutet nicht, dass ihr alle Vermögenswerte zusammenlegen müsst (z.B. in einem Gemeinschaftsdepot oder Gemeinschaftskonto). Es bedeutet auch nicht, dass ihr für jeden Cent, den ihr ausgebt, Rechenschaft ablegen müsst. Ein gewisses Maß an Privatsphäre gehört zu jeder gesunden Beziehung.
Beispiel 1: Ihr habt euch auf ein gemeinsames Konto für Lebenshaltungskosten geeinigt. Zusätzlich hat jeder ein eigenes Konto und kann damit tun oder lassen was er will. Die Kontoauszüge des eigenen Kontos sind somit nicht relevant für die gemeinsamen Finanzen. Das ist Privatsache.
Beispiel 2: Wenn einer einen Berg Schulden hat und das verheimlicht, führt das früher oder später zu Problemen. Damit wäre jede gemeinsame Planung auf Sand gebaut. Das muss dringend besprochen werden und ist relevant.
Im Idealfall redet ihr über eure Definition von Privatsphäre. Welche Informationen sind eurer Meinung nach relevant und sollten für beide zugänglich sein? Welche nicht?
Der finanzielle Plan und Absprachen, die ihr als Paar trefft, müssen langfristig realistisch umsetzbar sein.
Beispiel: Ihr entscheidet, möglichst viel von eurem Einkommen zu sparen. Das Ziel ist, möglichst bald finanziell unabhängig zu sein. Alle unnötigen Ausgaben für Restaurants, Urlaub und Hobbies habt ihr gestrichen.
Die Frage ist, ob ihr das langfristig durchhalten könnt.
Wenn ja, ist das ein guter Plan. Das Aussicht finanziell unabhängig zu werden, ist sehr motivierend und ein Traum vieler Paare.
Was aber wenn die Motivation nachlässt? Wenn die Lebensqualität heute zu stark leidet, wird der Plan möglicherweise nicht aufgehen.
Häufig hat aber ein Partner weniger Motivation zu sparen, als der andere. Bei ihm schleicht sich das Gefühl ein, dass dieser Plan ihm jegliche Freude am Leben nimmt. Er wird anfangen Ausgaben zu verheimlichen und im schlimmsten Fall Schulden aufzubauen.
In einer Beziehung auf Augenhöhe, gehört ein regelmäßiger Realitätscheck eurer Planung dazu. Wie geht es dir und deinem Partner oder Partnerin mit eurer Planung langfristig?
Zu einer Beziehung auf Augenhöhe gehört auch Finanzen auf Augenhöhe zu gestalten
Wenn du das Gefühl hast, dass du nicht auf Augenhöhe mit deinem Partner über Geld reden kannst, ist meist eine (oder mehrere) der 4 Voraussetzungen nicht gegeben.